Torstraße 166

October 8th, 2008 | Comments Off | Posted in City Tales, Magical Reality, Spatial Design

Torstrasse 166

Wie so oft in Berlin: Ein Altbau soll saniert werden, die Menschen müssen aus ihren Wohnungen ausziehen, um den Handwerkern Platz zu machen. In der Torstraße 166 in Mitte hat sich nun vor das Anrücken des Sanierungstrupps ein Kunstprojekt geschoben: Das Haus der Vorstellungen. Zwölf verschiedene Künstler haben sich vorübergehend als Zwischenmieter in den leer stehenden Wohnungen eingerichtet – und das auf unterschiedlichste Art und Weise.

Am besten haben mir dabei die Werke gefallen, die direkt mit den spezifischen Wohnungen und Räumen gearbeitet haben anstatt sie nur als austauschbares Behältnis der eigentlichen Kunst zu nutzen. Plastique Fantastique zum Beispiel füllen die ihnen zugewiesenen Räume mit riesigen weißen Kunststoffblasen, die sich immer wieder ausweiten und schrumpfen und so den Raum einmal fast völlig einnehmen um ihn dann wieder freizugeben und ihn so wie lebendig erscheinen lassen. Chiharu Shiota hat dagegen ihre Wohnung so mit schwarzen Wollfäden durchsponnen, dass die darin arrangierten Gegenstände unerreichbar und damit wie zeitlos konserviert scheinen.

Die Künstler haben das Konzept der ‚Raumgestaltung’ aufgegriffen und in die verschiedensten Richtungen geführt. Was bedeutet Wohnen, was Wohnung? Wie beeinflussen die Maße, Materialien, Gerüche, Geräusche den Raum und damit seine Bewohner?
Oder anders gefragt: Wie unterscheiden sich eine Altbauwohnung und eine genormte 70er-Jahre-Plattenbau-Wohnung in ihrer Wirkung? Das raumlaborberlin wollte es wissen und baute kurzerhand die Plattenwohnung direkt in die Altbauwohnung hinein, mit Original-Grundriss und -Material. Im Vergleich dazu wirken die leeren, cleanen Räumen der Geruchskünstlerin Sissel Tolaas besonders leer und clean, womit sie ihr Ziel erreicht hat: Hier geht es nicht um die offensichtlichen visuellen Eindrücke, sondern um die mehr versteckten Sinnesreize, wie in ihrem Fall die Gerüche, die ebenfalls das ausmachen, was wir als Wohnung bezeichnen.

Der Sponsor des Projekts ist Hornbach, der Baumarkt, was eigentlich nicht weiter schlimm wäre. Doch beim Verlassen des Hauses darauf hingewiesen zu werden, dass es – sinngemäß – nach den ganzen Inspirationen doch auch Zeit für eine kleine Überarbeitung der eigenen Bleibe wäre, gibt dem Ganzen aber schon einen leichten Beigeschmack von Promotionsveranstaltung. Aber so läuft es heute offenbar nun mal. Und die Verbindung passt zumindest in der Wohnung von Franz Höfner und Harry Sachs, die typische Baumarkt-Materialien zu Kunst im Raum umfunktionieren. Sehr eindrucksvoll (und nass): Der Zimmerbrunnen aus je vier Eckbadewannen und Waschbecken.

Eine Hausbesichtigung ist noch bis zum 12. Oktober möglich.

Berlin Biennale 2008

April 7th, 2008 | Comments Off | Posted in City Tales, Imagination, Spatial Design

Berlin Biennale 2008
Last week the 5th Berlin Biennale for Contemporary Art startet with a lot of media buzz. Until June 15th, there will be many exhibitions and events throughout the city (well, mostly Berlin Mitte) and, making use of the weekend, I went to one of the venues yesterday, the KW Institute of Contemporary Art. Maybe I was expecting a little too much (my visit to the Palazzo Grassi in 2006 in mind) but at the end I wasn’t completely impressed. Yes, some exhibits were truly captivating, but I found the others to be, well, merely interesting to put it nicely, especially as part of an exhibition of the alleged art event of the year. Maybe it would have been different if I knew a little more about the current art scene or if I had bought the catalogue to be able to read what the artists wanted to express.

But maybe it’s got also something to do with me being too stressed out at the moment to handle the stimuli satiation that is a contemporary art exhibition. My favorite exhibit was ‘Ground Control’, the white and black asphalt room by Ahmet Ögüt (go to f&art to see a beautiful picture of it). Clean, minimalistic, spacious, calm; very powerful in its simplicity. Although it has got a totally different meaning after I got to read the explanation to the exhibit:

In Turkey, asphalt laying was a means of homogenizing the country in its rapid quest to modernize, metaphorically covering over some of its diverse history in the process. [...] Asphalt thus becomes a political tool for the demonstration of government power. Öğüt transfers this inscription of power in public space onto the exhibition hall, highlighting the political dimension of a seemingly innocuous substance like asphalt and raising awareness of how power is displayed and maintained.

Maybe I should give the Biennale another chance (and read up on the exhibits before). After all, there are still nine weeks to change my mind.

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